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Es ist der 30. April in Berlin. Die Stadt bereitet sich auf die alljährlichen Krawalle der Walpurgisnacht vor. Während überall die Spannung steigt, plant Annja Kobe etwas ganz anderes: Sie will unbemerkt von der Polizei umziehen - gemeinsam mit ihrem Vater, der seit Jahren tiefgefroren in einer Kühltruhe liegt. Für dieses ungewöhnliche Vorhaben bittet sie den obdachlosen Alex um Hilfe, der die Schlupflöcher der Stadt besser kennt als jeder andere.
Was folgt, ist eine Reise durch Berlin, die sich über einen einzigen Tag erstreckt - von Mitternacht bis Mitternacht. Dabei kreuzen sich die Wege unterschiedlichster Menschen: drei ältere Damen, die likörtrinkend die Krawalle beobachten, ein Gasableser, der beim Sperren von Anschlüssen unerwartete Erfahrungen macht, drei Schulschwänzerinnen, ein Junge mit alkoholkranker Mutter, eine Teilnehmerin eines Theaterexperiments, die eine typische Nordneuköllner Familie kennenlernt, eine Frau mit Gedächtnisverlust und viele andere Figuren. Selbst eine Kaffeemaschine mit orangem Wasserbehälter taucht immer wieder auf und verbindet auf seltsame Weise einzelne Geschichten.
Der Roman lebt von seinem schnellen Perspektivwechsel. Die kurzen Kapitel springen von Figur zu Figur, sodass sich nach und nach ein dichtes Netz aus miteinander verbundenen Lebensgeschichten über die Stadt legt. Anfangs wirken die Episoden lose, doch mit der Zeit greifen sie immer stärker ineinander, bis alles schließlich im Chaos der Walpurgisnacht zusammenläuft und in einem überraschenden Finale endet.
Gerade diese Vielzahl an Perspektiven macht das Buch so lebendig. Berlin erscheint hier als ein wilder, skurriler Schmelztiegel voller ungewöhnlicher Menschen und Geschichten. Trotz der vielen Figuren bleibt der Roman gut lesbar und äußerst unterhaltsam.
Wer Berlin liebt oder einfach Lust auf einen außergewöhnlichen, vielstimmigen Roman hat, sollte unbedingt einen Blick hineinwerfen.
