Und da meine Woche aus jeder Menge Enten, Hasen und einem Äffchen bestand,


Manchmal gibt es Orte auf der Welt, die uns nicht mehr loslassen. Orte, an denen wir zur Ruhe kommen, neue Kraft schöpfen können. Für Melodie Michelberger ist dieser Ort ganz klar Island.
In ihrem Buch erzählt die Autorin und Influencerin sehr persönlich von ihrer besonderen Verbindung zu diesem rauen, faszinierenden Land. Island wurde für sie in einer schweren Lebensphase zu einem Hoffnungsschimmer. Eine geplante Reise dorthin war damals der Traum, an dem sie sich festhielt. Und aus dieser einen Reise wurden schließlich zehn.
Diese Reisen können unterschiedlicher kaum sein. Mal allein, mal zusammen mit ihrem Sohn oder ihrer Freundin, immer auf der Suche nach neuen Eindrücken und Erfahrungen. Melodie erkundet dabei nicht nur die verschiedenen Regionen Islands, sondern auch ihre eigenen Grenzen. Man spürt beim Lesen, wie sehr sie an diesen Reisen gewachsen ist und wie stark das Land sie geprägt hat.
Schon als Kind war Island für sie ein Sehnsuchtsort. Ausgelöst wurde dies durch Jules Vernes Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Die Vorstellung von Vulkanen, Gletschern und Abenteuern ließ sie nicht mehr los. Als sie schließlich zum ersten Mal in Reykjavik landete, übertraf die Realität ihre Erwartungen sogar noch. Acht Grad im August, ein eisiger Wind und trotzdem dieses Gefühl, sofort angekommen zu sein.
Besonders schön beschreibt sie nicht nur die spektakuläre Natur Islands, sondern auch die Atmosphäre des Lande. Die Weite, die ruhigen Farben, die karge Landschaft. Aber auch die Menschen spielen eine große Rolle. Sie schildert, wie willkommen und sicher sie sich dort von Anfang an gefühlt hat.
Das Buch liest sich wie eine sehr persönliche Reiseerzählung. Man merkt, dass die Autorin ihre Erfahrungen ursprünglich auch mit ihrer Community geteilt hat. Die Begeisterung und die vielen Eindrücke spürt man sofort. Gleichzeitig bekommt man einen sehr individuellen Blick auf Island, fernab klassischer Reiseführer.
Für alle, die Island lieben, davon träumen einmal dorthin zu reisen oder einfach gerne persönliche Reisegeschichten lesen, ist dieses Buch eine schöne Inspiration. Es macht Lust auf weite Landschaften, heiße Quellen, kalten Wind und darauf, vielleicht selbst einen Ort zu finden, der sich ein bisschen wie Heimat anfühlt.



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Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, irritierte mich, dass es keine eindeutige Genreangabe auf dem Cover gab. Roman, ein historischer Roman, ein Thriller oder gar ein Krimi?
Es ist ein guter Mix von allem, in dessen Mittelpunkt der pensionierte Verfassungsrichter Rudolf Heppner, der mit rechtsradikalen Äußerungen über Deserteure und die NS-Justiz für Empörung sorgt, steht. Strafrechtliche Konsequenzen stehen im Raum, doch die Ermittlungen von Verfassungsschutz und BKA kommen nicht voran. Die junge Kriminalpsychologin Jasina Behrens wird schließlich mit einem Gutachten beauftragt. Für sie ist das Thema mehr als nur ein beruflicher Auftrag: Sie selbst ist mit ihren Eltern aus Syrien geflohen, ihr jüngerer Bruder verweigerte den Wehrdienst in der syrischen Armee und ist seitdem spurlos verschwunden.
In vielen Gesprächen zwischen Jasina und Heppner entsteht eine unerwartete Nähe. Dabei werden nicht nur familiäre Hintergründe offengelegt, sondern auch Verbindungen zur Vergangenheit sichtbar, insbesondere zum Schicksal des sogenannten „Halbjuden“ Raimund Bach, der im Spätsommer 1944 seinen Versetzungsbefehl verweigert und sich in Amsterdam versteckt hält. Besonders eindrucksvoll ist, dass das Schicksal der beiden deutschen Soldaten Raimund Bach und Bernhard Döpper auf tatsächlichen Begebenheiten beruht. Diese Verbindung aus historischer Realität und fiktionaler Erzählung verleiht dem Roman eine besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Die Handlung bewegt sich auf mehreren Zeitebenen - 1944/45, Ende der 1960er Jahre, 2001 und 2023. Im Zentrum stehen Heppner und Jasina, während viele Nebenfiguren eher den Rahmen der Geschichte bilden. Am meisten gefesselt haben mich jedoch die historischen Passagen aus den letzten Kriegsmonaten. Sie wirken besonders intensiv und eindringlich.
Das ist kein Buch, welches man nebenbei liest. Die verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen verlangen Aufmerksamkeit. Dennoch empfand ich den Schreibstil als sehr angenehm.
Für mich ist „Eine vergessene Schuld“ ein beeindruckendes, hochaktuelles und nachdenklich stimmendes Buch.


