Als ich die Inhaltsangabe zu „Ist doch schön hier“ von Miriam Burdelski gelesen habe, dachte ich sofort: Das könnte ein Buch für mich sein. Eine Reise mit der Großmutter ins ehemalige Ostpreußen, auf den Spuren der Familie und der eigenen Vergangenheit. Familiengeheimnisse aufdecken und erzählen, was früher war, mag ich einfach.
Obwohl das Thema einer Reise in die Vergangenheit nicht ganz neu ist, ist die Geschichte doch ganz anders, als ich zunächst erwartet hatte.
Wir begleiten Liesel, die gerade ihr Abitur in der Tasche hat, ihre demente, im Pflegeheim lebende Großmutter Emmi und den eher spontan dazugestoßenen Altenpfleger Jascha auf ihrem Trip in einem alten Lada Richtung Masuren. Dabei geht es natürlich um die Suche nach den eigenen Wurzeln. Aber vor allem geht es um Familie, um alte Wunden und um Dinge, über die viel zu lange geschwiegen wurde.
Nach und nach versteht man, warum Liesel ein so schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Melanie hat und warum Melanie wiederum von ihrer eigenen Mutter Emmi nie die Liebe erfahren konnte, die sie gebraucht hätte.
Die Figuren sind für mich das ganz Besondere an diesem Roman. Sie sind so wunderbar gezeichnet, dass man sie direkt vor Augen hat. Besonders Emmi ist mir ans Herz gegangen. Ihre fortschreitende Demenz wird sehr berührend beschrieben, ohne dass die Geschichte dabei schwer oder bedrückend wird.
Ganz im Gegenteil: Ich habe mit den Figuren mitgefühlt und mich immer wieder köstlich amüsiert. An manchen Stellen musste ich sogar grinsen. Man möchte am liebsten selbst mit im Auto sitzen und diese ungewöhnlichen Reise durch Polen mit all ihren Klischees miterleben.
Miriam Burdelski schreibt leicht und gleichzeitig sehr gefühlvoll. Aus ihren Sätzen spricht die tiefe Zuneigung zu Emmi, die wachsende Nähe zwischen Liesel und Jascha und auch der Schmerz, als Liesel erkennen muss, dass vieles ganz anders war, als sie bisher geglaubt hat.
„Ist doch schön hier“ ist für mich eine berührende Familiengeschichte über Vergangenheit, Verlust, Liebe und die Frage, was Heimat eigentlich bedeutet. Denn Heimat ist vielleicht tatsächlich weniger ein Ort auf der Landkarte als die Menschen, die bleiben, wenn vieles andere längst verschwunden ist.
Ein Buch, das nachdenklich macht und gleichzeitig wunderbar unterhält. Und eines, das daran erinnert, dass wir miteinander reden, Fragen stellen und manchmal auch Antworten einfordern sollten - bevor es dafür zu spät ist.

Guten Abend liebe Nicole,
AntwortenLöschendie Dahlien sind wirklich prächtig und die Farben harmonieren so schön. Ich komme fast nicht mehr zum Lesen, obwohl ich das sehr mag. Meistens lese ich mich durch die Blogs, das gefällt mir sehr.
Liebe Grüessli und hab einen schönen Abend,
Edith